Oh, war das schön anzusehen. Da lagen sich die Jungs in Grün nach Abpfiff jubelnd in den Armen und feierten ausgelassen ihren verdienten Sieg. Herrlich! Großartig! Wunderbar!
Blöd nur, dass der HSV diesmal in Rot gespielt hat. Und auch blöd, dass der HSV diesmal blöd gespielt hat – auf fast jeder Position und fast über die gesamte Spieldauer. Größtenteils muss das ein Einstellungsproblem gewesen sein: "Was, wir spielen beim sieglosen Tabellenletzten? Lasst uns den Schongang einlegen." Das wurde natürlich so nicht gesagt, aber offenbar von fast jedem irgendwo tief im Innern gedacht. "Wir liegen 5:8 hinten? Macht nichts, schaffen wir schon irgendwie." "8:11? Ach, wird schon klappen." "15:18 zur Pause? Was soll's, wir haben ja noch Halbzeit zwei."
All das könnte man als Mannschaft vielleicht sogar wirklich so sehen, wenn man es anschließend mit wiedergutmachenden Taten untermauert – und nicht mit einem 1:6-Lauf in die zweite Hälfte startet! Gott, war das schlimm anzusehen: Überall fehlten die letzten Prozentpunkte körperliche Anspannung. Vorn entstand so eine Mischung aus Pech und Unvermögen mit vielen Fehlwürfen und anderen technischen Fehlern, hinten erinnerte das Auftreten an einen Escortservice. Rollt man nicht eigentlich seinen Gästen den roten Teppich aus? Hier taten es die Gäste für die Gastgeber. Der sonst so starke Luc und Lennart im Tor hielten an diesem Tag auch kaum einen Ball, hatten allerdings viel zu viele offene Würfe gegen sich. Und ja, man könnte auch mit der einen oder anderen seltsamen Entscheidung der Schiedsrichter hadern, vor allem, was Zwei-Minuten-Strafen für optisch eher leichte Berührungen anging. Aber ganz ehrlich, Jungs: Nein, daran lag es insgesamt nicht. Solche Tage, an denen nichts läuft, aber man den Gegner eigentlich im Griff haben müsste, gibt es. Und dann kommt es nur auf euch an!
Der Beweis für diese These war von Minute 30 bis 42 zu sehen. Plötzlich ging ein Ruck durch die Mannschaft. Defensiv wurde eine für dieses Spiel ganz neue Nähe zu den Gegenspielern hergestellt, was zu vielen Ballgewinnen führte, und offensiv ging vor allem Leander in Sachen Durchsetzungsvermögen voran. Aus einem 16:23 machte der HSV in nur zwölf Minuten ein 30:29, und der geneigte Fan dachte: "Puh, das scheint ja gerade nochmal gutzugehen." Und wieder wurde er enttäuscht, der geneigte Fan. Vermutlich, weil auch die Jungs ein befriedigtes "Siehste, wenn wir wollen, könnten wir jederzeit" in den Köpfen hatten und wieder ein Stück nachlässiger und fehlerbehafteter wurden, anstatt ordentlich nachzulegen. Sie könnten, sie würden, sie hätten, sie müssten. Sie taten aber nicht. Die Gastgeber hingegen witterten durch jede kleine erfolgreiche Aktion ihre Chance auf den ersten Saisonsieg – und den erkämpften sie sich in einer nach einem solchen Spielverlauf natürlich hektischen Schlussphase.
Auf die Schlussphase sollte man die Niederlage aber nicht schieben, wenngleich der Verlauf der letzten Minuten ein weiteres Element war, das in die Kategorie "völlig unnötig" fällt. Bei derartiger Hektik und offener Deckung zieht man auch mal den kürzeren, das passiert jeder Mannschaft hin und wieder. Schlimm war nur der Weg hin zu dieser Schlussphase: Es war die mit Abstand schlechteste Saisonleistung. Und von außen betrachtet hätte sich ein Sieg dann sogar irgendwie falsch angefühlt. Wenn man beim Ladendiebstahl erwischt wird, darf man das Geklaute ja anschließend auch nicht behalten. Glückwunsch an Hoyerswerda, die den Sieg an diesem Tag deutlich mehr wollten!
C1-Jugend: Luc und Lennart (im Tor), Franz (6), Leander (6), Luk (4/3), Theodor R. (4/1), Adrian (3), Theodor L. (3), Emil (2), Peer (2), Simon (2), Anton (1), Moritz (1), August, Felix
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