Sachsenliga

Saisonbeginn
19. September 2020

16 Jun
2019

HSV-D-Jugend schafft Historisches

Ostdeutsche Bestenermittlung 2019 in Dessau

 

Man nehme eine leere Landkarte. Man markiere alle Vereine auf der Karte, welche sich in diesem Jahrtausend für eine überregionale Meisterschaft im männlichen Jugendhandball qualifizierten. (Sprich der ostdeutschen Bestenermittlung der männlichen D-Jugend, der nordostdeutschen Bestenermittlung der C-Jugend und alle Teilnehmer der Ausscheidungsspiele um die deutschen Meisterschaften der männlichen B- und A-Jugend.) Wenn man nun auf dieser Karte, an der Stelle wo Dresden liegt, gesucht hätte, man hätte nur Weiß gesehen. Bis zum letzten Freitag.

 

Denn die D-Jugend des HSV Dresden schafft Historisches und setzt Dresden auf die Landkarte im überregionalen Nachwuchshandball. Und das machte sie am Wochenende in besonders hervorzuhebender Manier. Doch bevor es dazu kam, musste viel Vorarbeit geleistet werden.

 

Zunächst spielten die Nachwuchstalente aus Dresden eine konstant starke Saison. Diese war auch notwendig, denn für die Ostdeutsche Bestenermittlung qualifizieren sich nur Landesmeister und Vizelandesmeister. In Sachsen bedeutet dies: Man muss in die Phalanx der beiden Leistungszentren und Dauerteilnehmern aus Leipzig und Aue einbrechen und mindestens eine der beiden Mannschaften verdrängen. Dies gelang, indem man Aue besiegte und erst am letzten Spieltag musste man sich dann doch Leipzig geschlagen geben. Aber die Qualifikation war geschafft und diese war das Ziel.

 

Nun hätte man die Teilnahme auch als ein erfreuliches Zubrot ansehen können, welches man mal eben so mitnimmt und bei dem die Teilnahme alles ist. Oder man macht es wie die D-Jugendlichen und setzt sich das ehrgeizige Ziel, als Vizemeister unter die bessere Hälfte der 12 qualifizierten Mannschaften zu gelangen. Im durchgeplanten Vorbereitungsplan opferte man nebenbei nochmal drei Wochen, um sich mit den Älteren für die nächste C-Jugend-Sachsenligasaison zu qualifizieren. Diese schaffte man in souveräner Manier und jetzt richtete man den Fokus in der knapp gewordenen Zeit auf die Ostdeutsche Bestenermittlung. Doch diesen Fokus zu wahren, war wahrlich schwer. Nicht nur, dass durch Klassenfahrten und dem steigenden Schulstress die Trainingsbeteiligung reduziert war- Nein auch das Wetter trug seinen Anteil bei. Häufiger trainierte man bei 30 Grad Celsius in der Halle und am Mittwoch erlebten wir im Training sogar einen Wassereinbruch nach Starkregen, so dass Teile der alten Sporthalle nicht bespielbar waren. Doch all diesen Widerständen in der Vorbereitung strotzte man und fuhr am Samstagmorgen voller Tatendrang nach Dessau.

 

Diesen Tatendrang sollte dann gleich unser erster Gegner zu spüren bekommen. Gegen den Landesmeister Brandenburgs, dem 1.VfL Potsdam erwischten wir den schwächeren Start. Zur Halbzeit lagen wir nach zehn Minuten mit zwei Toren hinten. Doch dann legten wir die Nervosität ab und Franz entschärfte gegen den Vorjahresdritten in einer engen umkämpften zweiten Halbzeit etliche Würfe und als auch der letzte Potsdamer Wurf in der Schlusssekunde den Weg nicht in sein Tor fand, konnten wir über den ersten Sieg jubeln.

 

Im zweiten Spiel wartete der Landesmeister Sachsen-Anhalts, die TSG Calbe, auf uns. Wir waren gewarnt, denn Calbe hatte ihr Auftaktspiel deutlich gewonnen und in ihrer Liga unter anderem zwei Mal den SC Magdeburg besiegt. Wieder liefen wir einem Rückstand hinterher und wieder zeigten wir große Moral, indem wir uns nochmal herankämpften, obwohl Anton, welcher so wichtig für unser Spiel ist, zeitig verletzt ausfiel und auch im folgenden Spiel nicht eingesetzt werden konnte. Dieses Mal waren es Leos Paraden und Leons scharfe Außenwürfe, welche uns fast auf die Siegerstraße brachten. Am Ende wusste Calbe nochmals auszugleichen und dieses Spiel endete Unentschieden.

 

Jetzt stand für uns die Mittagspause an, in welcher wir von zahlreichen helfenden Händen umsorgt wurden und es alles gab, was das Sportlerherz begehrt. Überhaupt muss man sagen, dass das Team hinter dem Team einen hervorragenden Job machte. Da wurde Obst geschnippelt, Smothies gemixt, Wurfbilder und Gegner analysiert, Spiele gefilmt und protokolliert, die Mannschaft zum Erfolg getrommelt und geschrien, ein Shuttleservice zwischen Unterkunft und Halle eingerichtet und nicht zu vergessen, die größeren und kleineren Verletzungen umsorgt. Und dies sind nur Ausschnitte der Helfer welche mit nach Dessau reisten. Bereits in Dresden hatte uns beispielsweise unsere C-Jugend am Montag unterstützt, indem sie als starker Testspielgegner die Abwehr- und Angriffsweisen der Gegner simulierte. Oder die Jungs der zukünftigen D-Jugend, welche am Donnerstag geplant so viel Lärm und Druck erzeugten, dass wir reale Wettkampfsituationen nachstellen konnten.

Danke für die Rückendeckung des Vereins.

 

Im dritten Gruppenspiel traten wir gegen den Vizemeister aus der Hauptstadt Blau-Weiß 1890 Berlin an. Die Jungs von der Spree gingen ungeschlagen durch unsere Vorrundengruppe und wir konnten daran leider nichts ändern. Dies entschied sich aber erst in den letzten Sekunden des Spiels. Denn begonnen hatten wir gut und ausnahmsweise gingen wir in Führung. „Berlin hat einen herausragenden Spieler welcher bereits jetzt sehr viel mitbringt, was man sich von einem fertig ausgebildeten Handballer wünscht“ so die sinngemäße Meinung von unserem A-Jugendtrainer Thorsten Triebel. Es war Tils Aufgabe, dessen Wirkungskreise enger zu ziehen und auch wenn nicht alles zu verteidigen war, machte Til diese Aufgabe bemerkenswert stark. Sicher wird es ihm und allen anderen unserer Dresdner Talenten helfen, sich mit den besten zwei Prozent in ihrem Jahrgang zu messen. Bis zum Ende entwickelte sich eine Partie auf Augenhöhe und zehn Sekunden vor Ende gewannen wir einen Ball bei einem 1-Tore-Rückstand. Doch unser schneller Angriff wurde abgefangen und statt des Ausgleiches fingen wir uns ein Gegentor zur 2-Tore-Niederlage.

 

Dieser Rückschlag saß uns im darauf folgenden Spiel gegen den HC Empor Rostock noch in den Knochen. Vor dem Spiel war klar, dass der Sieger dieser Partie einen großen Schritt in Richtung Halbfinale machen würde. Gegen den Landesmeister Mecklenburg-Vorpommerns erspielten wir uns zu Beginn mehrere freie Chancen, welche wir leider vergaben. Den dadurch entstandenen Rückstand konnten wir mit der Brechstange gegen die Sportschüler von der Küste nicht mehr drehen und im schwächsten Turnierspiel vergaben wir unsere unverhoffte Chance auf das Halbfinale leichtfertig. Da hingen natürlich die Köpfe tief, denn eine solche Möglichkeit haben wir nicht alle Jahre.

 

Jetzt musste aber im letzten Vorrundenspiel ein deutlicher Sieg her, um das Turnierziel nicht zu verfehlen. Die 8-Tore-Vorsprung welche wir benötigten, um doch noch an Calbe vorbeizuziehen hatten wir zur Pause gegen Thüringens Vizemeister, dem Nordhäuser SV, fast aufgeholt. In der zweiten Hälfte machten wir nahtlos weiter und mit mehreren Ballgewinnen erspielten wir uns Konterchancen, welche wir, wie im Falle von Flinn und Jonathan nach 20 Metern Sprint mit Ball, an allen Abwehrspielern vorbei, auch veredelten. Ein überdeutlicher Sieg brachte uns die Gewissheit: Wir stehen im Spiel um Platz 5. Wir haben unser Turnierziel erreicht.

 

Erschöpft und zufrieden bezogen wir unser Hotel und am Abend aß die Mannschaft beim Italiener Pizza und Pasta. Satt und müde nach dem warmen anstrengenden Tag herrschte 21:30Uhr Nachtruhe. Nach dem Frühstück folgte das Auschecken und Abfahrt zur Anhalt-Arena in welcher zunächst beide Halbfinalspiele stattfanden. Die Atmosphäre in der Halle war emotional sehr geladen und leider musste man sagen, dass da Spieler und Eltern teilweise schon das Niveau der Fußballer erreichten. Beispielsweise verstanden 12- oder 13-Jährige die Welt nicht mehr und zeigten dies wild gestikulierend allen Teilhabenden, wenn sie nach grob unsportlichen Fouls das Feld verlassen mussten. Dieses Verhalten wurde durch das aufheizende Verhalten von einigen Eltern leider sogar noch unterstützt.

 

Wir ließen uns davon nicht beeindrucken, wärmten uns in aller Ruhe auf dem Parkplatz vor der Halle auf und nahmen uns vor, die Unruhe auszublenden und nur positive Emotionen zuzulassen. Beeindruckend stark begannen wir die letzte Begegnung gegen den Berliner Meister SG Narva. Gleich zu Beginn machte Vincent zwei Mal die richtigen Laufwege im Sprint und verwandelte sicher. Till schraubte die Qualität seiner Kreisanspiele aufs nächste Level und zeigte unter Wettkampfdruck, dass er das Zusammenspiel in der Tiefe versteht. Peer hatte sich viel Platz verschafft und konnte mit schwierigen Prellfinten gegen die Hand seinen direkten Gegenspieler ins Leere laufen lassen. Und in der Abwehr zeigten wir nun, dass wir auch defensiver decken können. Jeder Gegenspieler wurde gedoppelt und Jakob schaffte permanent eine Überzahl am Ballort. Auch Mark zeigte, dass er genau im Gefühl hat, wann in der Abwehr der Nebenmann seine Hilfe braucht. An diesem Abwehrriegel, welcher aber fair blieb, verzweifelte Narva und wir gingen zur Pause in Führung. Nun hatten wir unseren Gegner in der Enge und die Hauptstädter zogen alle Register. Auch hier gaben wir allen Spielern Einsatzminuten auf dem hohen Niveau, weil für uns die Ausbildung aller Spieler Priorität hat. Unser Gegner wechselte nur punktuell durch um gegen uns zu bestehen. Außerdem wussten sie sich mit übertriebener Härte zu helfen, welches mehrere Zeitstrafen nach sich zog. Unter anderem Eric, welcher mit seinem schnellen Antritt und starkem 1-gegen-1 da hinging wo es wehtat, musste viel einstecken. Trotz der letzten klasse Vorstellung als D-Jugendmannschaft kippte so langsam das Spiel gegen uns. Am Ende verlieren wir nach starkem Zusammenspiel, weil wir zu viele Chancen gegen den, später gewählten, besten Torhüter des Turniers liegen lassen.

 

Wir sind auf Tuchfühlung mit den absoluten Topmannschaften, aber es fehlten an diesem Wochenende noch Kleinigkeiten um bei der absoluten Leistungsspitze mitzuhalten. Nichtsdestotrotz haben wir nur fünf Mannschaften den Vortritt lassen müssen. Dafür haben wir ganze 298 Mannschaften aus ganz Ostdeutschland hinter uns gelassen.

Jungs, eure Gegner waren noch vor zwei Jahren Wilsdruff und Ruppendorf in der E-Jugend-Kreisliga. Inzwischen messt ihr euch mit Leipzig, Berlin, Potsdam oder Rostock auf Augenhöhe. Ihr durftet zu Recht im Konzert der Großen mitmischen und gehört selbst in diesem Turnier zur besserem Hälfte der Qualifizierten. Das ist ein guter Zwischenschritt und soll euch in eurer Ausbildung zum Handballer ganz lange motivieren. Vergesst bitte nicht, dass Eigenschaften wie Ehrgeiz, Disziplin, Wille und Teamfähigkeit alles Eigenschaften sind, welche wir im Sport brauchen, ihr aber auch gerne außerhalb des Sports an den Tag legen dürft.

 

Paul Wanitschka

 

Den Dresdner Nachwuchshandball setzten folgende Jungs wieder auf die überregionale Landkarte:

L. Teske (TW), F. Schröder (TW), T. Punte, M. Wolf, V. Nickel, T. Girschik, P. Krebs, F. Punte, A. Punte, E. Schmelzer, J. Geißler, J. Neudert, L. Tittel

 

1.SC Magdeburg (Vizemeister VM Sachsen-Anhalt)

2. SC DHfK Leipzig (Landesmeister LM Sachsen)

3. Blau-Weiß 1890 Berlin (VM Berlin

4. HC Empor Rostock (LM Mecklenburg-Vorpommern)

5. SG Narva Berlin (LM Berlin)

6. HSV Dresden (VM Sachsen)

7. HSV Wildau (VM Brandenburg)

8. TSG Calbe (LM Sachsen-Anhalt)

9. SV Fortuna Neubrandenburg (VM Mecklenburg-Vorpommern)

10. 1.VfL Potsdam (LM Brandenburg)

11. Nordhäuser SV (VM Thüringen)

12. HSG Saalfeld/ Könitz (LM Thüringen)

 

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