Sachsenliga

07 Jan
2019

Dieses Turnier ist eine Liebeserklärung an den Handball

HSV-D-Jugend reiste zur Mini-WM nach Hannover

 

Die Handball-Mini-Weltmeisterschaft im Hannoveraner Stadtteil Anderten ist eine Liebeserklärung an den Handballsport. In den Genuss dieses Liebesbeweises kommen hier aber keine gestandenen Männer oder Frauen, sondern 11- und 12- jährige D-Jugendliche, die sich ein Wochenende lang wie Profis fühlen.

 

Bereits am Freitag im Mannschaftshotel angekommen, bekommt man zunächst ein Hallenheft in die Hand, wo die Namen aller Spieler und das eigene Mannschaftsfoto zu finden sind. Ebenfalls bekommt man die Akkreditierung, mit der man bei der Eröffnungsveranstaltung am gleichen Abend alle Annehmlichkeiten bekommt. Große Hüpfburgen auf der Spielfläche und freien Zutritt zur Poolparty in der benachbarten Schwimmhalle lassen Kinderherzen höher schlagen. Dazu gibt es, quasi nebenbei, noch für jedes Kind einen Döner als Abendessen, vom extra angerichteten Catering. Allein das begeistert. Doch am Samstag durften wir in der Vorrunde die Stimmung am Eisteichweg genießen. Diese Halle hat eine sehr gute Akustik, so dass bereits 25 lautstarke Fans reichen, dass man auf dem Spielfeld kaum noch ein Wort versteht.

Uns wurde Saudi-Arabien zugelost und mit den eigens angefertigten Trikots, die die Kinder behalten dürfen, liefen die Jungs in die gut gefüllte Halle ein. Mit Blick der Tribüne zugewandt, wurden die Nationalhymnen angespielt und es entwickelte sich bei den meisten Spielern eine Gänsehaut. Während des Spiels wurde dann jeder Torschütze vom Hallensprecher angesagt und die Torhüter für erfolgreiche Paraden gefeiert. Für unsere D-Jugendlichen war es etwas ganz besonderes, ihren Namen vor so vielen Zuschauern durch die Lautsprecher zu hören. Als dann unser stimmgewaltiger Fanblock auch noch anfing, die Nachnamen mit zubrüllen und die Namen der Torhüter nach Paraden zu skandieren, wurde spätestens jedem klar, wie sich Spieler einer Weltmeisterschaft ungefähr fühlen müssen.

Sportlich lief es für uns zunächst nicht gut. In zwei knappen Spielen verlieren wir gleich zu Beginn gegen den Bundesliganachwuchs der Eulen Ludwigshafen-Friesenheim (Chile) und den Hannoverscher SC (Tunesien) mit jeweils nur einem Tor. Da merkte man die Nervosität, die lange Spielpause und den Respekt vor der Kulisse, denn wir schafften es nicht, ein gutes Spiel konstant auf die Platte zu bringen. Doch dann platzte der Knoten ausgerechnet gegen den Gastgeber aus Anderten (Österreich). In einer guten Partie warfen sich die Jungs ein wenig Ballast von der Seele und nahmen den Schwung gleich mit in die nächste Partie. Da wartete mit dem VfL Horneburg (Norwegen) eine Mannschaft, die sich als Niedersachsenmeister auf ihrer Homepage betitelt. Bis dahin hatten sie auch bei der Mini-WM alles gewonnen, doch in diesem engen Spiel waren wir die bessere Mannschaft. Gegen Ende der Begegnung setzten wir uns sogar auf 13:10 ab. Mit diesem Sieg hatten wir uns endgültig ins Turnier gekämpft. Die Niederlage im abschließenden Gruppenspiel gegen die Sprösslinge des Bundesligaklubs HC Erlangen (Dänemark), war zwar bitter, weil wir somit die Hauptrunde der besten zwölf Mannschaften verpassten, geht aber in Ordnung, weil Erlangen besser war. Das Weiterkommen hatten wir in den ersten beiden Spielen verbockt.

Nach dem Mittagessen hieß es nun Koffer packen und in die Halle am Sahlkamp umziehen. Dort warteten Spiele gegen den Vierten, Fünften und Sechsten der anderen Gruppe. Das Maximum, was nun noch möglich war, ist der 13. Platz in der Turnierendabrechnung. Nach 20 Minuten Autofahrt ging es für uns sofort auf die Platte, um gegen die TuS Aumühle-Wohltorf (Angola) zu spielen. Hier waren wir klar die bessere Mannschaft und konnten munter die verschiedensten Aufstellungen durchprobieren. Auch gegen den VfL Tegel Berlin (Argentinien) ließen wir nichts anbrennen, so dass uns im abschließenden Spiel ein Unentschieden reichte, um ins Spiel um Platz 13 einzuziehen. Doch man merkte die Turniererfahrung und gute Physis der Dresdner, denn selbst mit verschiedenen Aufstellungen blieben wir fokussiert und holten uns den fünften Sieg im letzten Spiel des Tages. Damit gingen wir aus unserer Hauptrundengruppe als Sieger hervor. Zurück im Hotel hieß es für die Jungs sich schnell fertig zu machen, denn dann ging die Reise weiter zur Players Party, wo sie auch ein üppiges Buffet zum Abendbrot erwartete. Auch ihre Eltern und Fans machten sich fast zeitgleich auf den Weg, denn für sie hatte der Veranstalter den Sponsoren- und Gala-Abend organisiert. Das hieß, die typischen Saudi-Arabischen Gewänder und Kopfbedeckungen, gegen Hemd oder Abendkleid zu tauschen und mit den Eltern und Fans der anderen 23 Mannschaften, sowie den Sponsoren und Organisatoren das reichliche Buffet zu genießen.

Am nächsten Tag hatten wir zwar nur noch ein Spiel, aber dieses hatte es in sich. Als wir eine Stunde vor Spielbeginn in der Sporthalle am Eisteichweg eintrafen, waren alle anderen 23 Mannschaften bereits da. Auf den Rängen war es wahnsinnig voll und der Hallensprecher befeuerte die Stimmung. Als der Gastgeber sein Spiel um Platz 19 gewann, war ein erster Stimmungshöhepunkt erreicht. Wir begannen uns warmzumachen, am wohl ruhigsten Ort des Hallenkomplexes – dem langen schmalen Flur der Schwimmhalle. Als wir dann zurück in die Halle kamen, waren die Eindrücke überwältigend. Das war ein Geschenk des Organisators TSV Anderten an alle Kinder. Als D-Jugendlicher vor 500 Zuschauern einlaufen und dabei werden die Namen der Spieler nochmal laut verlesen. Dann die Nationalhymne, bei der die Jungs in die vollen Zuschauerränge blicken und die Stimmung und Kulisse aufsaugen konnten.

Und im Spiel schallte ein ohrenbetäubender Lärm vom Tribünenrang. Man verstand sein eigenes Wort nicht mehr. Die Fans und Eltern schrien sich heiser und trommelten sich ihre Finger wund. Im Nu fanden sich auf den benachbarten Zuschauerplätzen Mitstreiter, die sich anstecken ließen und ebenfalls für uns Partei ergriffen. Jede Parade, jeder Ballgewinn und jedes Tor wurde gefeiert. Und zu Feiern gab es in diesem Spiel einiges. Denn gegen die HSG Eckbachtal (Brasilien), legten wir los, wie die Feuerwehr. Die Kulisse, die am Vortag zunächst noch einschüchternd war, befeuerte nun jeden nochmal, sein Maximum herauszuholen. Wir wechselten zügig durch, doch hier gab es Probleme. Egal wie laut die Trainer riefen, die Jungs konnten sie nicht hören, da es in der Lautstärke der Fans unterging. Doch irgendwann klappte auch dies und wir erspielten uns wie im Rausch auch den letzten Sieg im „Presidents Cup“. Danach folgte ausgiebiger Jubel und der Dank an die Stimmgewalt von der Tribüne. In den darauf folgenden Halbfinalspielen setzte sich der HSV Hamburg (Mazedonien) gegen die Lemgoer Jugend (Ungarn) durch und der spätere Turniersieger Melsungen (Katar) gewann gegen Dudenhofen (Spanien). Da waren einige Spieler auf der Platte, die auch in C-Jugendmannschaften Leistungsträger wären, und man sah überragenden Kinderhandball.

Überragender war an diesem Turnierwochenende nur noch der Veranstalter mit seinen 100 freiwilligen Helfern, der an alles dachte. Vor dem großen Finale ließen sie nochmal alle Mannschaften vor den vollen Rängen einlaufen und eine Laola-Welle ging durch die Halle. Das Endspiel gewann Melsungen wegen ihrer körperlichen Überlegenheit, obwohl Hamburg eine starke offensive Abwehr stellte. Nach der Siegerehrung machten wir uns auf den langen Heimweg, denn wir hatten noch über drei Stunden Fahrt vor uns. Gegen 20:30 Uhr erreichten wir wieder Dresden, wo wir mit vielen tollen Erlebnissen und Eindrücken auf ein spannendes Wochenende zurückblicken können. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, findet zahlreiche Fotos auf der Facebookseite des HSV Dresden.

Den Gastgebern und den mitgereisten Fans danken für dieses Wochenende: G. Kaubitzsch (TW), F. Schröder (TW), L. Tittel, J. Neudert, T. Punte, J. Geißler, M. Wolf, V. Nickel, T. Girschik, P. Krebs, F. Punte, A. Punte, E. Schmelzer

Trainer: Katja Seggelke, Paul Wanitschka

Diese Webseite verwendet Cookies. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.