Spielbericht

21.10.2017 10:00 Uhr | NSG Oelsnitz / Oberlosa - HSV Dresden | Sporthalle Weinholdschule Reichenbach/V. | 25:26

Erster Sieg in der Sachsenliga

 

NSG Oelsnitz/ Oberlosa : HSV Dresden 25:26 (14:13)

 

Die D-Jugend gewinnt ihr Auswärtsspiel in Plauen und belohnt sich mit dem ersten Sachsenligasieg in der D-Jugend für eine gute Trainingswoche.

Freitag 19:30Uhr: Der durchschnittliche D-Jugendspieler packt nach einer anstrengenden Woche seine Handballtasche für den nächsten Tag. Er besucht die fünfte, sechste oder siebte Klasse einer weiterführenden Schule und hat in den vergangenen fünf Tagen nicht nur über dreißig Unterrichtsstunden absolviert, sondern im Fach Handball, welches von seinem Lieblingsverein angeboten wird, ebenso an drei Nachmittagen nochmal insgesamt 285 Minuten trainiert. Beim Abendbrot, welches nochmal alle Energiespeicher auffüllt, erinnert er seine Eltern daran, dass sie ihn am nächsten Tag zu 7:15Uhr zum Treffpunkt bringen müssen. Die Eltern würfeln heimlich darum, weil natürlich beide diesen Job in der Früh übernehmen wollen.

Freitag 20:15Uhr: Der durchschnittliche D-Jugendspieler geht nun ins Bett. Die nächsten zehn Stunden Schlaf sieht er ganz professionell als Grundlage für seine gute Physis am Spieltag. Immerhin trainiert er regelmäßig drei Mal die Woche. Da soll es an einer vermeintlichen Kleinigkeit wie Übermüdung nicht scheitern.

Samstag 6:15Uhr: Der durchschnittliche D-Jugendspieler wacht ausgeschlafen und fit auf. Während er sich gutgelaunt auf das Spiel freut, hat der Elternteil, welcher am Vortag den Bringedienst gewonnen hat, noch Probleme den Tag ebenso fröhlich zu begrüßen. Ein kurzer Blick aus dem Fenster ist da natürlich hilfreich. Draußen ist es dunkel und kalt.

Samstag 7:Uhr: Der durchschnittliche D-Jugendspieler steigt nun ins Auto. Nach dem zweiten Kaffee bekommt der bringende Elternteil die Augen genügend auf, um am Straßenverkehr teilzunehmen. Die Straßen sind herrlich frei und laden zum langsamen Fahren ein. Die Polizei, welche ziemlich nah zum Treffpunkt ihr Lasergerät aufgebaut hat, trägt freundlicherweise im Abblendlicht reflektierende Jacken, welche man bereits aus 200 Meter Entfernung erkennt.

Samstag 7:15Uhr: Der durchschnittliche D-Jugendspieler steigt am Treffpunkt Gamigstraße aus dem Auto aus, begrüßt seine Mannschaftskameraden und macht sich abreisefertig ins  158 Kilometer entfernte Plauen. Die Eltern am Treffpunkt sind dankbar darüber, dass sie so zeitig wach sind, weil sie ja nun noch so viel vom Tag haben.

Samstag 8:50Uhr: Die D-Jugend kommt in Plauen an der Halle an und wird nach einem kurzen Spaziergang an der frischen Luft, dem Umziehen, dem Aufwärmen und der Traineransprache gegen 10Uhr motiviert und munter in die Partie starten. Der bettflüchtige Elternteil, welcher seinen Sohn am Morgen zur Halle brachte, hat vermutlich den Wocheneinkauf gemacht und den Keller entrümpelt, den Sperrmüll gleich noch zum Wertstoffhof gebracht und angefangen das Kinderzimmer neu zu tapezieren. Man muss die Zeit ja ordentlich nutzen, wenn der Junge aus dem Haus ist. Der bettlägerige Elternteil steht auf, bevor er noch Rückenschmerzen bekommt, weil er die horizontale Lage überbeansprucht. Er wundert sich, warum es noch kein Frühstück gibt.

Samstag 10Uhr: Der durchschnittliche D-Jugendspieler genießt nun den Höhepunkt seiner Woche. Dieser nun hier aus Trainersicht wiedergegeben:

 

Wir starten mit unseren 1:1-starken Spielern in die Begegnung, welche sich immer wieder durchsetzen gegen körperlich stärkere Gegenspieler. Leider haben wir hier noch mit dem flüssigen torgefährlichen Anstoßen und schnellem Weiterspielen erhebliche Probleme, so dass viele Tore aus Einzelaktionen entstehen. In der Abwehr trauen wir uns nicht, bis zum Ende aggressiv auf Ballgewinn zu gehen und da wir hier die absolute Konsequenz vermissen lassen, werden wir öfters mit freien Würfen der Gegner auch aus dem Zentrum bestraft. Aber das Torhüterduell, mit den gegnerischen Torwächtern, entscheiden unsere Keeper heute für uns, gerade weil sie auch freie Würfe wegnehmen. Nach 15 Minuten führen wir 10:6  und nehmen eine Auszeit in welcher wir blockweise durchwechseln. Unsere fünf Spieler, welche nun neu in der Begegnung sind, starten mit einem guten Tempo, fangen sich dann aber kurz hintereinander zwei Zeitstrafen ein und verlieren den Faden. In der Abwehr bleiben wir kurzzeitig unter unseren Ansprüchen, was Oelsnitz/ Oberlosa sofort ausnutzt und bis zum 13:14-Halbzeitstand an uns vorbeizieht.

Nach der Halbzeit kämpfen wir darum, wieder Zugriff auf die Partie zu bekommen. Beide Teams produzieren jetzt kurzfristig vermehrt Fehler, aber wir können zunächst kein Kapital daraus schlagen. In der Abwehr rappeln wir uns nach einer schwächeren Phase auf, in der wir Gegenspieler davon laufen ließen und zeigen nun wieder mehr Mut zum bedingungslosen Ballgewinn. Dies wird belohnt und während wir unsere Fehlerzahl verringern können, drehen wir das Spiel. Nach einem 18:20-Rückstand ziehen wir mit einem 4:0-Lauf vorbei und können die Führung sogar noch auf 24:21 ausbauen. Da zeigen wir kurzfristig mal das gesamte Potential, gehen in der Abwehr mutig in die Passwege und spielen die Angriffe schnell aus. Insbesondere die rechte Angriffshälfte macht gut Druck und sollte den Anspruch haben, sich an dieser Leistung messen zu lassen. Die Gastgeber raffen sich nochmal auf, kommen ran und haben in der Schlussminute die Chance auf den Ausgleich. Doch die D-Jugendspieler stellen sich nicht schüchtern hinten rein, sondern gehen mit enormem Kraftaufwand abermals in die Passwege, bieten eine schlechte Anspielstation an und fangen in Folge dessen nochmal den Ball ab. Abwehr kann so viel Spaß machen. Die letzten zwanzig Sekunden lassen sie sich nicht mehr aus der Reserve locken und bringen den26:25- Sieg kaltschnäuzig über die Zeit.

Ein erfreulicher erster Sieg, welcher Kraft gekostet hat. Aber diese engen Spiele mit Gegnern auf Augenhöhe bringen die Jungs weiter, weil sie bis zur letzten Minute ihr Leistungsmaximum abrufen müssen. Deswegen kann man zufrieden auf diese 50 Minuten schauen.

Nach Duschen und Umziehen verlässt der durchschnittliche D-Jugendspieler gegen 12 Uhr Plauen. Nach anderthalb Stunden Fahrtzeit berichtet er hoffentlich beiden Eltern vom knappen Sieg. Zu Hause freut er sich über den entrümpelten Keller und das frisch tapezierte Zimmer.

 

Für den HSV spielten: Teske (TW), S. Köhler (TW), M. Wolf, V. Nickel, C. Klinger, P. Krebs, V. Ciobanu, E. Schmelzer, C. Posselt, M. Ahnert, N. Padberg, M. Schmidt